Wildtiere sind Tiere, die nicht domestiziert sind und in freier Wildbahn leben. Katzen oder Hunde, auf der Straße leben, sind also keine Wild-, sondern verwilderte Haustiere. Die im Jahr 1986 erlassene Bundesartenschutzverordnung regelt den Schutz von Wildtieren und Wildpflanzen.

Wildtiere, vor allem Tiere, deren Bestand gefährdet ist, dürfen nicht in menschlicher Obhut leben. Ausnahmen gibt es, wenn das Tier so krank oder verletzt ist, dass es behandelt werden muss. Jeder kann im Alltag einem Tier begegnen, das hilfsbedürftig ist, sei es ein kleiner verhungernder Igel, der im Winter auf der Suche mach Futter herumläuft, sei es ein junger Vogel, dessen Nest bei einem Unwetter zerstört wurde und der zu erfrieren droht. Nach Möglichkeit sollte man diese Tiere zunächst beobachten und parallel dazu entweder einen Tierarzt, ein Tierheim oder eine entsprechende Auffangstation anrufen, um zu erfahren, ob man eingreifen soll. Je nach Situation kann es nämlich sein, dass das Tier schlechtere Chancen hat, wenn es vom Menschen eingefangen und mitgenommen wird, als wenn es dort bleibt, wo es ist.

Findet man beispielsweise im Frühsommer ein Kitz, das unbeweglich in einem Grasversteck liegt, ist dieses Jungtier mit Sicherheit nicht von der Mutter verlassen worden, sondern wurde von ihr dort zurückgelassen, um es später wieder zu versorgen und sich darum zu kümmern. Fasst man das Jungtier an, kann es sein, dass die Mutter es nicht mehr annimmt, weil es einen anderen, fremden Geruch hat. Nimmt man das Kitz gar mit, hat man die Möglichkeit einer Familienzusammenführung zerstört.

Nimmt man ein Tier mit, nachdem man sich versichert hat, dass dies die besten Überlebenschancen bietet, muss man um seinen Schützling rund um die Uhr kümmern. Bei kleinen Säugetieren kann das auch bedeuten, dass sie nachts eine Flasche brauchen. Jungvögel müssen tagsüber in regelmäßigen Abständen gefüttert werden. Igel sollten beim Tierarzt entfloht und entwurmt werden. Alle Tiere müssen täglich saubergemacht und gewogen werden. Wer das nicht leisten will, sollte schnell dafür sorgen, dass er das Tier dort unterbringt, wo das möglich ist.

Gerade bei jungen Tieren kann es dazu kommen, dass sie sich dem Menschen, der ihnen Wärme, Futter und Zuneigung gibt, sehr eng anschließen. Bei Vögeln kann dieser Anschluss so weit gehen, dass es in einer Fehlprägung mündet. Das bedeutet, dass sich zum Beispiel die junge Elster nicht mehr für einen Vogel, sondern für einen Menschen hält. Ihr fehlt einfach die Gesellschaft, in der sie sich selbst als Elstervogel erkennen kann. Ein Tier, das seine eigenen Artgenossen nicht erkennt und womöglich sogar Angst vor ihnen hat, gleichzeitig aber auch zutraulich bis aufdringlich gegenüber Menschen ist und vielleicht sogar Freundschaft mit den im gleichen Haushalt lebenden Tieren, wie Hund oder Katze, geschlossen hat, ist in der freien Natur nicht überlebensfähig. Es muss beim Menschen bleiben. Hat man ein solch fehlgeprägtes Tier, muss man sich darüber im Klaren sein, dass Wildtiere, die in Gefangenschaft leben, meist um einiges älter werden als ihre freien Artgenossen. Dazu kommt, dass Tiere, die soziale Beziehungen aufbauen, wie Rabenvögel, Enten oder Kaninchen, nicht einzeln gehalten werden dürfen.

Die Aufnahme eines Wildtieres, egal weshalb, kann große Verantwortung nach sich ziehen. Wir als Ihre Tierarztpraxis beraten Sie gerne und helfen Ihnen, wenn Sie einem Wildtier helfen möchten.